Grundlagen · W-02

ChatGPT ist erst der Anfang.

Der nächste Schritt nach dem Chatfenster ist KI mit Kontext: Dateien, Ordner, Regeln und wiederverwendbare Abläufe.

A

Ein einzelnes Chatfenster ist ein guter Anfang. Der eigentliche Sprung kommt aber erst, wenn die KI versteht, in welchem Zusammenhang sie arbeitet. Diesen Sprung habe ich selbst gemacht, und weil er mein Arbeitsleben verändert hat, beschreibe ich ihn hier so konkret wie möglich.

Mein Anfang: das Chatfenster

Ich bin Betriebswirt, kein Programmierer. Angefangen habe ich mit ChatGPT wie vermutlich Sie auch: eine E-Mail höflicher formulieren, ein langes Dokument zusammenfassen, eine Formulierung für ein Angebot suchen. Das funktionierte, und für einzelne Aufgaben funktioniert es bis heute. Eine Zeit lang hielt ich das für den Stand der Technik.

Dann fiel mir auf, womit ich meine Zeit wirklich verbrachte: mit Erklären. Jedes Gespräch begann bei null. Was wir herstellen, wie unsere Kunden heißen dürfen und wie nicht, welche Angaben in ein Angebot gehören, wie ich schreibe. Die KI wusste nichts davon, also tippte ich es jedes Mal neu, und je nach Tagesform meiner Erklärung schwankte das Ergebnis. Für einen Text pro Woche geht das. Für zwanzig Vorgänge am Tag ist es absurd.

Die Grenze hat einen Namen: fehlender Kontext

Ein Chat kennt Ihren Betrieb nur so gut, wie Sie ihn im aktuellen Fenster beschreiben. Das ist keine Schwäche des Modells, sondern der Arbeitsform. Solange die KI Ihre Preisliste, Ihre alten Angebote und Ihre Regeln nicht lesen kann, bleibt ihr nur raten. Sie merken das an drei Dingen: Sie wiederholen sich ständig, die Ergebnisse sind mal gut und mal daneben, und nichts davon lässt sich an Kollegen weitergeben, weil der gute Prompt in Ihrem Verlauf steckt.

Der Schritt, der bei mir alles geändert hat

Der Wendepunkt war ein Werkzeug, das nicht im Browser lebt, sondern in einem Ordner: Claude Code. Es liest die Dateien, die dort liegen, legt neue an, ändert bestehende und prüft sein eigenes Ergebnis. Der Ordner selbst ist nichts Technisches. Bei mir lagen am Anfang Textdateien darin: was der Betrieb macht, wie Abläufe funktionieren, ein paar gute Beispiele, dazu eine Datei mit Regeln, die immer gelten.

Der Unterschied war sofort spürbar. Ich erklärte nicht mehr, ich beauftragte. Statt „schreibe mir einen Text über unser Produkt“ hieß es „lies die Produktbeschreibung und den Ton in den Regeln, dann überarbeite die Seite“. Die KI hörte auf zu raten und fing an, mit meinem Material zu arbeiten.

Aus diesem Arbeiten im Ordner ist bei mir mehr geworden, als ich damals für möglich hielt: erst kleine Auswertungen, dann ein komplettes ERP-System, das heute in zwei Betrieben produktiv läuft, und zuletzt diese Website, für die ich keine Zeile Code und keinen Text selbst geschrieben habe. Nicht, weil ich programmieren gelernt hätte, sondern weil die KI mit jedem Monat mehr über meinen Betrieb lesen konnte.

Wie Sie denselben Schritt machen

  1. Legen Sie einen Ordner an. Hinein kommt, was die KI über Ihren Betrieb wissen muss: eine Beschreibung Ihrer Leistungen, Ihre Preisliste, drei gute Angebote als Beispiel, gern auch Texte von Ihrer Website.
  2. Schreiben Sie eine Regel-Datei. Eine einfache Textdatei: Wie sprechen Sie Kunden an, welche Wörter vermeiden Sie, was darf nie ohne Prüfung nach außen. Diese Datei liest die KI bei jeder Aufgabe zuerst.
  3. Starten Sie mit einer echten, kleinen Aufgabe. Ein Angebotsentwurf aus einer echten Anfrage, eine überarbeitete Seite, eine Antwort auf eine häufige Kundenfrage. Prüfen Sie das Ergebnis und schreiben Sie in die Regel-Datei, was Sie korrigiert haben.

Der dritte Punkt ist der wichtigste: Jede Korrektur, die Sie aufschreiben statt nur auszubessern, macht die nächste Aufgabe besser. So entsteht nebenbei das, was ich in einem eigenen Artikel als Wissensbasis beschreibe.

Was gleich bleibt

Geprüft wird weiterhin von einem Menschen. Die KI bereitet vor, Sie geben frei. Das war bei meinem ersten Angebotsentwurf so und gilt bei mir bis heute für alles, was den Betrieb verlässt. Der Gewinn liegt davor: Aus einer Stunde Schreibarbeit werden fünf Minuten Prüfarbeit, und das bei jeder Wiederholung wieder.

Weiterlesen: Die 4 Stufen der KI-Nutzung im Betrieb.

← Alle Artikel

Lieber gleich umsetzen statt nur lesen?

Wenn Sie wissen wollen, was davon konkret in Ihrem Betrieb möglich ist, schauen wir das in einem kurzen Gespräch gemeinsam an. Unverbindlich.